Bürgermeister im Interview

Bernd Jansen beantwortet viele Fragen

11.09.2020

Nicht nur im Wahlkampf gibt Bürgermeister Bernd Jansen bereitwillig Auskunft über Erreichtes und Geplantes in und für Hückelhoven, die Stadt für die er brennt. Neben dem Interview für den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC), auf das wir an dieser Stelle gerne verweisen, gab es noch ein weiteres Zeitungsinterview, das wir gerne in voller Länge zum Nachlesen bereitstellen:

Bernd Jansen war gerade 37 Jahre alt, als er 2004 zu Hückelhovens jüngstem Bürgermeister gewählt wurde. Das ist jetzt sage und schreibe 16 Jahre her! Damit ist ihm in den Chroniken der Stadt Hückelhoven schon jetzt ein ganz besonderer Eintrag sicher, denn damit hat er bereits heute den bisher längsten Würdenträger im Bürgermeisteramt um fünf Jahre übertroffen.

 

Doch Bernd und die CDU, wie es auf den sympathisch gestalteten Wahlplakaten zu lesen steht, möchten da noch mindestens eine Amtszeit dranhängen. Wer ihn kennt, weiß, dass es ihm nicht um Rekorde geht, er möchte einzig und allein das fortsetzen, was er seit so vielen Jahren für seine Stadt bewegt. Wir haben Hückelhovens Bürgermeister kurz vor der im September anstehenden Kommunalwahl besucht und ein wenig mit ihm geplaudert:

 

Herr Jansen, muss sich ein Bürgermeister, dem sogar die politischen Gegner Anerkennung für seine Arbeit zollen, wirklich Sorgen über eine Wiederwahl machen?

 

Aber klar! Sich zurückzulehnen und zu denken, dass alles von allein läuft, wäre überheblich. Natürlich wissen meine Mannschaft und ich, dass wir gute Arbeit geleistet haben, aber als erster Mann einer Stadt muss man immer alle Eventualitäten ins Kalkül einbeziehen. Ich mache deshalb im Wahlkampf das, was ich glaube, am besten zu können – ich suche so oft es geht den Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt, um immer auf dem Laufenden über ihre Anliegen und Wünsche zu sein.

 

War es für Sie damals ein schwieriger Entschluss, das über Generationen existierende Familienunternehmen, das Sie als Zimmerermeister mit Ihrem Bruder Paul geführt haben, wegen der Politik zu verlassen?

 

Einfach war´s nicht, aber ich kann heute immer noch sagen, dass es richtig war! Ich liebe das Zimmererhandwerk, aber gerade in der Zeit, als für unsere Stadt der überlebenswichtige Wandel anstand, die Chance zu bekommen, hier an entscheidender Stelle etwas bewegen zu können, die musste ich einfach nutzen. Ich hatte damals wie heute aber auch die volle Unterstützung meiner Familie. Ich wünsche meinem Bruder Paul, dass er noch fünf weitere Jahre ohne mich auskommen kann/muss, wobei ja längst sein Sohn Kasper und mein Sohn Felix die nächste Zimmerergeneration im Betrieb eingeläutet haben.

 

Wenn wir Sie nach den schönsten Momenten in den 16 Jahren Ihrer Amtszeit fragen, dann muss es wohl ziemlich lange im Kopf rattern, schließlich haben Sie enorme Erfolge aufzuweisen …

 

Schöne Momente müssen nicht unbedingt mit Erfolgen in Zusammenhang stehen. Zum Beispiel ist jeder Neujahrsempfang für mich ein wunderschönes Ereignis und wenn „Hückelhoven brummt“ bin ich glücklich. Ein Höhepunkt in meiner Amtszeit war sicherlich die 50-Jahr-Feier mit unserem Ministerpräsidenten Armin Laschet als Festredner. Ich freue mich schon auf den Moment, wenn die Ratheimer und Millicher Bürgerinnen und Bürger endlich durch die neue Umgehung entlastet werden – und das natürlich am liebsten immer noch als Bürgermeister zu erleben. Und ja, ein schöner Moment war auch, als ich tatsächlich auf der Straße um ein Autogramm gebeten wurde. Ich glaube, ich bin rot geworden, aber ein bisschen stolz war ich da schon.

 

Aber es gab doch bestimmt auch einmal einen Moment, der Ihnen ganz und gar nicht gefallen hat, oder?

 

Na klar! Wir haben uns als Stadt, in der Kultur jeglicher Art einen ganz hohen Stellenwert besitzt, auf die von uns geplante Open-Air-Arena gefreut. Aber als das Land nach langen vier Jahren der Prüfung unseren Förderantrag diesbezüglich abgelehnt hat, ist das Projekt wie eine Seifenblase zerplatzt. Aber wenn ein Projekt scheitert, massenhaft andere dafür verwirklicht werden können, dann ist das schon in Ordnung. Weltstars wie James Blunt und Idole wie Johannes Oerding holen wir trotzdem nach Hückelhoven.

 

Sie haben die Neujahrsempfänge, um die sie von allen anderen Kommunen im Kreis ein wenig beneidet werden, eben angesprochen. In Ihren Jahresrückblicken können Sie enorme Erfolge beim Strukturwandel, bei der Bildung, bei geschaffenen Arbeitsplätzen, bei gelungener Wirtschaftsförderung und nicht zuletzt bei der Ansiedlung von Neubürgern vorweisen. Wie soll es denn in den nächsten fünf Jahren – wenn Sie wiedergewählt werden – weitergehen?

 

Genau so! 4.500 Neubürgerinnen und -bürger in zwei Jahrzehnten sind nicht nur ein Indiz dafür, dass uns der Wandel von der Zechenstadt zur Einkaufsstadt gelungen ist. Sie dokumentieren auch, dass man unsere Investitionen von rund 70 Millionen Euro in den letzten zwei Jahrzehnten zur Schaffung modernster Schulen honoriert. Über 40.000 Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt genießen, dass Ärzte, die man sonst nur nach langer Fahrerei erreicht hat, jetzt alle bei uns zu finden sind. Mit dem neuen Ärztehaus am Landabsatz kommen noch einige hinzu, nicht zu vergessen der neue Kieferorthopäde in Ratheim und der Kardiologe in Baal. Wir dürfen uns auf unseren Lorbeeren nicht ausruhen, wir müssen weiterhin Neues schaffen und Geschaffenes erhalten. Wir sind in Hückelhoven weit gekommen, aber am Ziel sind wir Hückelhovener nie.

 

Was passiert, wenn es mit Ihrer Wiederwahl nicht klappen sollte?

 

Ich glaube, das will mein Bruder Paul nicht lesen (lacht) … Im Ernst: Dann würde ich mit meiner Familie in unser geliebtes Häuschen an die Nordsee fahren, vielleicht ein wenig schmollen, mir Gedanken machen, woran es gelegen haben könnte und, und, und. Aber ich hoffe doch sehr, dass ich das Meer erst wieder im nächsten regulären Bürgermeisterurlaub zu Gesicht bekomme.

 

Herr Jansen, vielen Dank für das Gespräch.

aktualisiert von Daniel Reichling, 11.09.2020, 13:36 Uhr